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Stufe: Mittel · Lektion 8 von 10

Betrug erkennen: Phishing und andere Maschen

Gefälschte Bank-Mails, Paket-SMS, angebliche Enkel auf WhatsApp – Betrüger versuchen es mit immer neuen Verkleidungen. Diese Lektion zeigt, woran Sie Phishing zuverlässig erkennen und wie Sie in Ruhe richtig reagieren.

Grundkenntnisse empfohlen Lesezeit: ca. 14 Minuten

Das lernen Sie in dieser Lektion

  • Sie wissen, was Phishing ist – und warum solche Nachrichten fast jeden erreichen.
  • Sie kennen die häufigsten Betrugsmaschen, von der Paket-SMS bis zum falschen Microsoft-Anruf.
  • Sie erkennen die fünf typischen Alarmzeichen einer gefälschten Nachricht.
  • Sie können prüfen, wohin ein Link wirklich führt, ohne ihn anzuklicken.
  • Sie wissen, was zu tun ist, falls Sie doch einmal hereingefallen sind – Schritt für Schritt und ohne Scham.

Betrüger im Internet knacken selten Computer – sie versuchen viel lieber, Menschen zu täuschen. Eine gefälschte Nachricht, ein wenig Zeitdruck, ein Link zum Anklicken: Mehr braucht es meist nicht, damit jemand sein Passwort oder seine Kontodaten preisgibt. Die gute Nachricht: Diese Maschen folgen fast immer demselben Muster. Wer die gängigen Tricks und die fünf Alarmzeichen kennt, ist besser geschützt als mit jedem teuren Schutzprogramm. In dieser Lektion lernen Sie die häufigsten Betrugsversuche kennen, üben, Links zu prüfen, ohne sie anzuklicken – und erfahren, was zu tun ist, wenn doch einmal etwas passiert ist.

Was ist Phishing?

Das Wort Phishing (gesprochen: „Fisching“) kommt vom englischen fishing – dem Angeln. Das Bild passt genau: Kriminelle werfen eine Angel aus – eine gefälschte E-Mail, SMS oder WhatsApp-Nachricht – und warten, ob jemand anbeißt. Der Köder sieht vertrauenswürdig aus: Die Nachricht wirkt, als käme sie von Ihrer Bank, vom Paketdienst oder sogar aus der eigenen Familie. Das Ziel ist immer dasselbe: Passwörter, Kontodaten, Kartennummern – oder gleich eine Überweisung.

Wichtig zu wissen: Solche Nachrichten sind nie persönlich gemeint. Die Betrüger verschicken Millionen davon aufs Geratewohl, wie Wurfsendungen in jeden Briefkasten. Wenn eine bei Ihnen ankommt, heißt das also nicht, dass mit Ihrem Computer etwas nicht stimmt oder dass jemand Sie gezielt beobachtet. Und noch etwas hat sich geändert: Früher erkannte man Betrugs-Mails oft an holprigem Deutsch. Heute schreiben die Täter mit Hilfe künstlicher Intelligenz fehlerfrei und täuschend echt. Achten Sie deshalb weniger auf die Rechtschreibung – und mehr auf das, was die Nachricht von Ihnen will.

Die häufigsten Maschen

Die Verkleidungen wechseln ständig, das Muster dahinter bleibt gleich. Diese fünf Maschen begegnen einem derzeit am häufigsten:

MascheSo läuft der Trick ab
Gefälschte Bank-Mail„Ihr Konto wird gesperrt – bestätigen Sie Ihre Daten.“ Der Link führt auf eine täuschend echt nachgebaute Anmeldeseite, die Ihre Zugangsdaten abgreift.
Paket-SMS„Zollgebühr ausstehend“ oder „Adresse unvollständig“ – angeblich von DHL. Die geforderten ein bis drei Euro sind nur der Köder: In Wahrheit geht es um Ihre Kartendaten.
WhatsApp-Trick„Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer.“ Kurz darauf bittet das angebliche Kind oder Enkelkind dringend um eine Überweisung.
Gewinnbenachrichtigung„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen.“ Vor der Auszahlung sollen Sie eine „Bearbeitungsgebühr“ zahlen oder Ihre Kontodaten nennen. Echte Gewinne kosten nie etwas.
Falscher Microsoft-TechnikerEin Anrufer behauptet, Ihr Computer sei von Viren befallen, und will aus der Ferne „helfen“. Microsoft ruft niemals unaufgefordert an – hier will jemand die Kontrolle über Ihren Computer.

Die fünf Alarmzeichen

So verschieden die Verkleidungen sind – fast jede Betrugsnachricht verrät sich durch mindestens eines dieser fünf Zeichen:

  • Zeitdruck und Drohungen: „Nur noch heute gültig“, „sonst wird Ihr Konto gesperrt“. Seriöse Firmen und Behörden setzen keine Fristen von wenigen Stunden – Eile ist das Lieblingswerkzeug der Betrüger, denn wer hetzt, denkt nicht nach.
  • Unpersönliche Anrede: „Sehr geehrter Kunde“ statt Ihres Namens. Ihre Bank kennt Sie und spricht Sie mit Namen an.
  • Aufforderung zu Zahlung oder Daten: Es sollen Gebühren überwiesen oder PIN, Passwort, TAN oder Kartennummer eingegeben werden. Genau das verlangt kein seriöses Unternehmen per Nachricht.
  • Merkwürdiger Absender: Hinter dem freundlichen Anzeigenamen „Sparkasse“ steckt eine kryptische Adresse wie service@konto-pruefung-24.info. Ein Tipp oder Klick auf den Absendernamen zeigt die echte Adresse.
  • Links, die zur falschen Adresse führen: Der Linktext behauptet das eine, das wahre Ziel ist ein anderes. Wie Sie das gefahrlos prüfen, sehen wir uns jetzt genauer an.

Ein Link (englisch für „Verknüpfung“) ist ein anklickbarer Verweis, der Sie zu einer Webseite bringt. Das Tückische: Der angezeigte Text und das tatsächliche Ziel können sich unterscheiden – so wie auf einem Briefumschlag ein falscher Absender stehen kann. Zum Glück lässt sich das echte Ziel gefahrlos sichtbar machen: Am Computer halten Sie den Mauszeiger auf den Link, ohne zu klicken – nach einem Moment erscheint die wahre Adresse, meist unten links im Fenster oder in einem kleinen Kästchen. Am Smartphone halten Sie den Link mit dem Finger länger gedrückt (nicht kurz antippen) – dann öffnet sich eine Vorschau mit der Zieladresse.

Beim Lesen der Adresse zählt vor allem der Name der Webseite unmittelbar vor dem ersten einzelnen Schrägstrich. www.sparkasse.de ist echt. www.sparkasse.de.konto-check-24.com dagegen gehört in Wahrheit zur Webseite konto-check-24.com – der vertraute Name ist nur vorangestellt, wie ein falsches Namensschild an einer fremden Haustür. Wenn Sie unsicher sind, gibt es einen einfachen Ausweg: Klicken Sie den Link gar nicht an, sondern tippen Sie die Ihnen bekannte Adresse Ihrer Bank von Hand in den Browser.

Die goldene Regel: im Zweifel selbst anrufen

Eine einzige Regel entschärft fast jeden Betrugsversuch: Nutzen Sie nie die Telefonnummer oder den Link aus der Nachricht selbst – fragen Sie auf dem Weg nach, den Sie schon kennen. Steht die Nummer Ihrer Bank auf der Karte oder dem Kontoauszug, rufen Sie dort an. Meldet sich das angebliche Kind mit „neuer Nummer“, rufen Sie die alte, gespeicherte Nummer an – meldet sich dort das echte Kind, ist der Fall klar. Diese zwei Minuten Nachfragen ersparen im Ernstfall wochenlangen Ärger. Und so behandeln Sie eine verdächtige E-Mail Schritt für Schritt:

Eine verdächtige E-Mail sicher behandeln

  1. Ruhe bewahren, nichts anklicken

    Die Nachricht nur zu lesen ist ungefährlich. Öffnen Sie aber keinen Link und keinen Anhang – erst recht nicht, wenn die Nachricht drängt. Echter Zeitdruck kommt fast nie per E-Mail.

  2. Nicht antworten

    Auch nicht mit „Bitte keine Werbung mehr“. Jede Antwort verrät den Absendern, dass Ihre Adresse aktiv gelesen wird – und beschert Ihnen nur noch mehr solcher Nachrichten.

  3. Im Zweifel auf bekanntem Weg nachfragen

    Behauptet die Nachricht etwas über Ihr Konto oder ein Paket, rufen Sie die Bank über die bekannte Nummer an oder tippen Sie die vertraute Adresse der Webseite selbst ein. Nutzen Sie niemals die Kontaktdaten aus der Nachricht.

  4. Melden und löschen

    Markieren Sie die Nachricht in Ihrem E-Mail-Programm als „Spam“ oder „Junk“ (so heißt dort unerwünschte Post) – damit lernt das Programm, Ähnliches künftig auszusortieren. Danach löschen Sie die Nachricht. Fertig, mehr ist nicht nötig.

Wenn es doch passiert ist

Sie haben doch geklickt, Daten eingegeben oder Geld überwiesen? Dann kommt es jetzt auf Tempo an, nicht auf Schuldgefühle. Drei Dinge sind zu tun:

  • Passwörter ändern: Ändern Sie sofort das betroffene Passwort – und überall dort, wo Sie dasselbe Passwort ebenfalls verwenden.
  • Bank anrufen: Sind Konto- oder Kartendaten betroffen, informieren Sie Ihre Bank und lassen Sie Karte oder Online-Banking sperren. Rund um die Uhr erreichbar ist der zentrale Sperr-Notruf 116 116. Schnell gemeldete Schäden werden von den Banken oft erstattet.
  • Anzeige erstatten: Bei jeder Polizeidienststelle oder bequem über die „Onlinewache“ Ihres Bundeslandes im Internet. Das kostet nichts, und jede Anzeige hilft, die Täter zu verfolgen und andere zu schützen.

Damit haben Sie das wichtigste Schutzschild gegen Betrug im Netz: gesundes Misstrauen, einen ruhigen Blick auf die fünf Alarmzeichen – und die goldene Regel, im Zweifel selbst über den bekannten Weg nachzufragen. Den Rest der Schutzarbeit kann Ihnen die Technik abnehmen. Wie das geht, zeigt die nächste Lektion: „Updates und Virenschutz: Ihr Computer bleibt gesund“.

Testen Sie Ihr Wissen

4 kurze Fragen zu dieser Lektion. Die Auswertung geschieht direkt in Ihrem Browser – nichts wird übertragen, und niemand sieht Ihr Ergebnis.

1 Was bedeutet „Phishing“?
2 Eine SMS meldet: „Ihr Paket wartet – bitte 1,99 € Zollgebühr zahlen.“ Was ist die beste Reaktion?
3 Wie finden Sie am Computer heraus, wohin ein Link wirklich führt?
4 Sie haben auf einen Betrugs-Link geklickt und Ihre Bankdaten eingegeben. Was tun Sie zuerst?

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