Ein Passwort ist der Hausschlüssel für Ihr Leben im Internet. In der letzten Lektion haben Sie Ihr E-Mail-Postfach kennengelernt – und dabei ist Ihnen dieses geheime Wort zum ersten Mal begegnet. Was für die Wohnungstür der Schlüssel ist, ist für Ihr Postfach, Ihre Fotos und später vielleicht Ihr Online-Banking das Passwort: Nur wer es kennt, kommt hinein. Die gute Nachricht vorweg: Ein sicheres Passwort zu bauen ist keine Kunst – mit einem einfachen Trick, den Sie in dieser Lektion lernen, gelingt es leicht, und merken können Sie es sich auch.
Warum das Passwort so wichtig ist
Ihre Wohnungstür schließen Sie ab, ohne darüber nachzudenken – nicht, weil ständig eingebrochen wird, sondern weil es ohne Schloss zu einfach wäre. Im Internet ist es genauso: Jedes Benutzerkonto (Ihr persönlicher Zugang bei einem Dienst, etwa Ihrem E-Mail-Anbieter) ist eine Tür, und das Passwort ist der Schlüssel dazu.
Was könnte ein Fremder mit diesem Schlüssel anstellen? Mehr, als man denkt: private Nachrichten lesen, in Ihrem Namen E-Mails verschicken und damit Familie und Freunde betrügen – etwa mit einer erfundenen Bitte um Geld – oder auf Ihren Namen in Online-Läden einkaufen. Und wer ins E-Mail-Postfach kommt, kann sich oft gleich Schlüssel zu weiteren Konten nachmachen lassen, denn viele Dienste schicken auf Wunsch ein neues Passwort per E-Mail. Das Postfach ist gewissermaßen der Generalschlüssel. Das soll keine Angst machen – es erklärt nur, warum sich die zehn Minuten für ein gutes Passwort lohnen.
Woran Sie ein schwaches Passwort erkennen
Kriminelle probieren Passwörter nicht von Hand aus, sondern lassen Programme arbeiten, die jede Sekunde Millionen Möglichkeiten durchtesten – zuerst die beliebtesten Passwörter, dann Namen, Geburtsdaten und ganze Wörterbücher. Bestimmte Passwörter sind deshalb so gut wie kein Schutz:
| Passwort | Einschätzung |
|---|---|
123456 | Seit Jahren das häufigste Passwort der Welt – als läge der Schlüssel unter der Fußmatte. |
Bello1957 | Name des Hundes plus Geburtsjahr: leichter zu erraten, als man denkt – solche Angaben stehen oft irgendwo im Internet. |
Kx7! | Sieht kompliziert aus, ist aber viel zu kurz – vier Zeichen sind in Sekundenbruchteilen durchprobiert. |
BlauerTeekesselPfeiftUm7 | Lang und für Außenstehende völliger Unsinn – genau das macht es stark und trotzdem merkbar. |
Die Tabelle zeigt die wichtigste Regel: Die Länge zählt mehr als die Kompliziertheit. Jedes zusätzliche Zeichen vervielfacht die Zahl der Möglichkeiten, die ein Einbruchsprogramm durchprobieren müsste. Ein kurzes Passwort mit vielen Sonderzeichen ist deshalb schwächer als ein langes aus ganz normalen Wörtern. Faustregel: mindestens zwölf Zeichen, gern mehr – und nichts, was man über Sie herausfinden kann: keine Namen aus der Familie, kein Geburtsdatum, kein Wohnort.
Die Satz-Methode: stark und trotzdem merkbar
Wie kommt man zu einem Passwort, das lang genug ist und das man sich trotzdem merkt? Der bewährteste Trick ist die Satz-Methode: Aus einem persönlichen Merksatz wird Ihr Passwort. Spielen wir das gemeinsam durch:
In vier Schritten zum starken Passwort
- Einen Merksatz ausdenken
Wählen Sie einen Satz, der nur zu Ihnen passt und eine Zahl enthält – gern etwas Alltägliches oder Schmunzelndes. Zum Beispiel: „Ich trinke jeden Morgen um 8 Uhr eine große Tasse Kaffee!“ Der Satz sollte nur in Ihrem Kopf existieren.
- Die Anfangsbuchstaben nehmen
Nehmen Sie von jedem Wort den ersten Buchstaben und behalten Sie die Groß- und Kleinschreibung bei: Ich trinke jeden Morgen um 8 Uhr eine große Tasse Kaffee – das ergibt
ItjMu8UegTK. - Zahlen und Satzzeichen behalten
Die 8 bleibt als Ziffer stehen, das Ausrufezeichen am Ende nehmen Sie mit. Fertig ist
ItjMu8UegTK!– zwölf Zeichen mit Groß- und Kleinbuchstaben, Zahl und Sonderzeichen. Für Fremde reines Kauderwelsch, für Sie ein Frühstückssatz. - Prüfen und einüben
Sprechen Sie den Satz beim Eintippen ein paar Mal leise mit – nach wenigen Tagen tippen die Finger wie von selbst. Wichtig: Übernehmen Sie nicht genau dieses Beispiel, es steht ja nun auf dieser Webseite. Ihr eigener Satz gehört nur Ihnen.
Für jede Tür ein eigener Schlüssel – und wohin damit?
Ein starkes Passwort ist die halbe Miete. Die andere Hälfte: Verwenden Sie für jeden Dienst ein eigenes Passwort. Warum, zeigen die Dominosteine: Immer wieder werden große Firmen selbst Opfer von Einbrüchen; dabei erbeuten Kriminelle Millionen E-Mail-Adressen samt Passwörtern und probieren diese Listen automatisch bei vielen anderen Diensten aus. Wer überall dasselbe Passwort benutzt, verliert dann nicht ein Konto, sondern alle auf einen Schlag – ein Stein kippt, und die ganze Reihe fällt. Mit eigenen Passwörtern bleibt so ein Vorfall dagegen überschaubar: Sie ändern das eine betroffene Passwort, alles andere bleibt sicher verschlossen.
„So viele Passwörter kann sich doch kein Mensch merken.“ Stimmt – und das muss auch niemand. Zwar kursiert seit Jahrzehnten die Warnung, man dürfe Passwörter niemals aufschreiben, doch für die allermeisten Menschen zu Hause gilt heute das Gegenteil: Ein gut verstecktes Passwort-Heft ist deutlich sicherer als ein schwaches Passwort, das überall gleich ist. Die Einbrecher, vor denen Ihre Passwörter schützen, sitzen irgendwo weit weg am Computer – in Ihre Schreibtischschublade schauen sie nicht hinein. Ein paar einfache Regeln dabei:
- Ein Heft zu Hause an einem Ort, den nur Sie kennen – nicht der Klebezettel am Bildschirm und nicht der Zettel in der Geldbörse, die verloren gehen kann.
- Ordentlich führen: zu jedem Eintrag der Name des Dienstes, Ihr Anmeldename und das Passwort. Bei Änderungen das alte sauber durchstreichen.
- Nicht als Datei „Passwörter“ auf dem Computer speichern – bekommt doch einmal jemand Zugriff auf das Gerät, wäre das ein gefundenes Fressen.
Die eiserne Regel: Ihr Passwort gehört nur Ihnen
Das beste Schloss nützt nichts, wenn man den Schlüssel freiwillig aus der Hand gibt. Genau darauf zielen Betrüger am liebsten: Sie rufen als angebliche Bankmitarbeiter an oder verschicken täuschend echte E-Mails, angeblich von der Sparkasse, von DHL oder von Microsoft. Immer heißt es: „Bestätigen Sie bitte Ihr Passwort“ oder „Ihr Konto wird gesperrt, melden Sie sich sofort über diesen Link an“. Dieses Vorgehen nennt man Phishing (gesprochen „Fisching“, vom englischen Wort für Angeln) – die Betrüger werfen einen Köder aus und warten, wer anbeißt.
Ein Blick nach vorn: bequeme Helfer
Wenn Ihre Konten mit der Zeit mehr werden, gibt es zwei bewährte Helfer. Ein Passwort-Manager ist ein digitaler Schlüsselkasten: ein Programm, das alle Passwörter sicher verschlüsselt aufbewahrt und beim Anmelden für Sie eintippt – Sie merken sich nur noch ein einziges gutes Hauptpasswort. Die Zwei-Faktor-Anmeldung ist ein zweites Schloss an der Tür: Zusätzlich zum Passwort wird zum Beispiel ein Zahlencode auf Ihr Handy geschickt. Selbst wer Ihr Passwort kennt, kommt ohne Ihr Handy nicht hinein – so arbeiten auch die TAN-Apps der Banken. Beides muss Sie heute noch nicht kümmern: In der Stufe „Fortgeschritten“ stellt eine eigene Lektion beide Helfer in aller Ruhe vor. Fürs Erste sind Sie mit Satz-Methode und Passwort-Heft bestens gerüstet.
Damit haben Sie das Rüstzeug beisammen: Sie bauen mit der Satz-Methode lange, starke Passwörter, geben jeder Tür ihren eigenen Schlüssel, bewahren alles im gut versteckten Heft auf – und lassen sich am Telefon von niemandem den Schlüssel aus der Hand reden. In der nächsten Lektion verlassen wir den Schreibtisch und nehmen die Geräte für unterwegs in die Hand: Smartphone und Tablet: die ersten Schritte.