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Stufe: Fortgeschritten · Lektion 5 von 10

Verschlüsselung verstehen: HTTPS und Ende-zu-Ende

Warum kann niemand Ihr Online-Banking mitlesen – und was bedeutet das kleine Schloss im Browser? Diese Lektion erklärt in Ruhe, wie Verschlüsselung funktioniert, was HTTPS und Zertifikate leisten und was hinter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und VPN steckt.

Für geübte Anwender Lesezeit: ca. 14 Minuten

Das lernen Sie in dieser Lektion

  • Sie verstehen mit dem Bild von Postkarte und versiegeltem Brief, was Verschlüsselung leistet.
  • Sie erkennen am Schloss-Symbol und an https://, ob eine Verbindung abhörsicher ist.
  • Sie wissen, warum das Schloss nicht beweist, dass eine Webseite seriös ist.
  • Sie können einordnen, was Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Messengern bedeutet – und warum eine E-Mail eher einer Postkarte gleicht.
  • Sie schätzen realistisch ein, wie sicher öffentliches WLAN ist und was ein VPN wirklich bringt.

Eine unverschlüsselte Nachricht im Internet ist eine Postkarte – jeder, der sie unterwegs in die Hand bekommt, kann sie lesen. Verschlüsselung macht daraus einen versiegelten Brief: Der Inhalt bleibt auf dem ganzen Weg unlesbar, und nur der richtige Empfänger kann ihn öffnen. Die beruhigende Nachricht dieser Lektion: Sie müssen dafür fast nichts selbst tun, denn die wichtigste Verschlüsselung läuft heute automatisch im Hintergrund. Sie müssen sie nur erkennen und richtig einordnen können – genau das üben wir jetzt.

Postkarte oder versiegelter Brief?

Wenn Sie im Internet etwas abschicken – ein Passwort, eine Überweisung, eine Nachricht –, reist es nicht auf direktem Weg zum Ziel. Es läuft über viele Zwischenstationen: Ihren Router zu Hause, die Technik Ihres Internetanbieters, Rechenzentren irgendwo auf der Welt. Wie ein Brief, der durch viele Hände geht, bevor er im richtigen Briefkasten landet.

Ohne Verschlüsselung wäre jede dieser Sendungen eine Postkarte: Jeder „Postbote“ unterwegs könnte mitlesen – der Betreiber eines WLAN, ein neugieriger Techniker, ein Krimineller, der sich in die Leitung eingeklinkt hat. Mit Verschlüsselung wird aus der Postkarte ein versiegelter Brief. Die Stationen unterwegs sehen nur noch, dass ein Umschlag transportiert wird – was darin steht, bleibt verborgen.

Was Verschlüsselung technisch macht

Grob gesagt passiert Folgendes: Ihr Gerät verwandelt den lesbaren Text – den Klartext – mit Hilfe eines Schlüssels in reinen Zeichensalat. Aus „Guten Morgen“ wird dann etwas wie X7#kQ2!vB9… – eine Zeichenfolge ohne jeden Sinn. Nur wer den passenden Schlüssel besitzt, kann den Zeichensalat wieder in lesbaren Text zurückverwandeln. Der Schlüssel ist dabei kein Gegenstand, sondern selbst nur eine sehr lange Zahlenfolge – vergleichbar mit einem Hausschlüssel, dessen Zacken eben aus Zahlen bestehen.

Moderne Schlüssel sind so lang, dass selbst die schnellsten Computer der Welt viele Milliarden Jahre bräuchten, um alle Möglichkeiten durchzuprobieren. Deshalb gilt: Gut verschlüsselte Daten sind unterwegs praktisch nicht zu knacken. Angreifer versuchen es darum gar nicht erst an der Verschlüsselung, sondern lieber am Menschen – etwa mit gefälschten DHL- oder Bank-Nachrichten, wie Sie sie aus der Lektion „Betrug erkennen: Phishing und andere Maschen“ vielleicht schon kennen.

HTTPS und das Schloss im Browser

Beim Surfen erkennen Sie die Verschlüsselung an zwei Dingen. Erstens an der Adresse: Beginnt sie mit https://, ist die Verbindung verschlüsselt – das „s“ steht für secure, also „sicher“. Zweitens am kleinen Schloss-Symbol neben der Adresszeile. Beides bedeutet: Der Weg zwischen Ihrem Gerät und der Webseite ist abhörsicher. Niemand unterwegs kann Ihr Passwort oder Ihre Kontonummer mitlesen.

Die gute Nachricht: HTTPS ist längst der Normalfall. Banken, Behörden, Online-Shops – praktisch alle seriösen Webseiten sind heute verschlüsselt. Moderne Browser wie Edge, Chrome oder Firefox warnen sogar deutlich mit „Nicht sicher“, wenn eine Seite noch unverschlüsselt ist. Auf einer solchen Seite sollten Sie niemals Passwörter oder persönliche Daten eingeben.

Das Zertifikat: der Ausweis der Webseite

Woher weiß Ihr Browser eigentlich, dass er wirklich mit der richtigen Webseite spricht und nicht mit einem Trittbrettfahrer? Dafür gibt es Zertifikate – man kann sie sich als digitalen Ausweis einer Webseite vorstellen. Ausgestellt wird dieser Ausweis von unabhängigen Prüfstellen, sogenannten Zertifizierungsstellen. Das Zertifikat bestätigt: „Diese Verbindung führt tatsächlich zu der Adresse, die in Ihrer Adresszeile steht.“

Ihr Browser kontrolliert diesen Ausweis bei jedem Besuch automatisch – so wie ein aufmerksamer Pförtner, der jeden Ausweis prüft, ohne dass Sie etwas davon merken. Stimmt etwas nicht, etwa weil das Zertifikat abgelaufen oder gefälscht ist, zeigt der Browser eine große Warnseite wie „Ihre Verbindung ist nicht privat“. Nehmen Sie diese Warnung ernst: Nicht weiterklicken, keine Daten eingeben, Seite schließen.

So prüfen Sie, ob eine Verbindung verschlüsselt ist

  1. Auf die Adresszeile schauen

    Werfen Sie oben im Browser einen Blick auf die Adresse. Beginnt sie mit https:// oder sehen Sie das kleine Schloss-Symbol, ist die Verbindung verschlüsselt. Manche Browser blenden das „https://“ aus – dann genügt das Schloss.

  2. Auf das Schloss klicken

    Klicken Sie einmal auf das Schloss-Symbol. Es öffnet sich ein kleines Fenster mit Angaben wie „Verbindung ist sicher“ und dem Zertifikat der Webseite. Hier kann nichts kaputtgehen – Sie schauen nur nach.

  3. Den Namen der Webseite genau lesen

    Prüfen Sie den Namen in der Adresszeile Buchstabe für Buchstabe, besonders bevor Sie Passwörter eingeben. Das ist der wichtigste Schutz vor gefälschten Seiten – wichtiger als jedes Schloss.

  4. Bei Warnungen stoppen

    Zeigt der Browser „Nicht sicher“ oder eine Warnseite wie „Ihre Verbindung ist nicht privat“, geben Sie dort nichts ein. Schließen Sie die Seite in Ruhe – mehr müssen Sie nicht tun.

Ende-zu-Ende: wenn nicht einmal der Anbieter mitlesen kann

HTTPS schützt den Weg zwischen Ihnen und dem Anbieter – der Anbieter selbst kann die Inhalte auf seinen Rechnern aber grundsätzlich lesen. Noch einen Schritt weiter geht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Dabei wird eine Nachricht schon auf Ihrem Gerät versiegelt und erst auf dem Gerät des Empfängers wieder geöffnet. Die Schlüssel liegen nur bei Ihnen beiden – nicht einmal der Anbieter kann mitlesen, selbst wenn er wollte. Messenger wie WhatsApp und Signal arbeiten standardmäßig so.

Die klassische E-Mail ist dagegen eher eine Postkarte geblieben. Zwar sind die Transportwege zwischen den Anbietern heute meist verschlüsselt, doch in den Postämtern unterwegs – also bei den E-Mail-Anbietern – liegt die Nachricht lesbar vor. Sehr Vertrauliches wie Ausweiskopien oder Kontodaten verschickt man deshalb besser nicht ungeschützt per E-Mail, sondern nutzt zum Beispiel einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger oder das Postfach im Online-Banking.

VerbindungWer kann den Inhalt lesen?
Unverschlüsselt (http, offene E-Mail)Wie eine Postkarte: im Prinzip jede Station auf dem Weg – Netzbetreiber, WLAN-Betreiber, Anbieter.
HTTPS (Schloss im Browser)Nur Sie und der Anbieter der Webseite. Der Weg dazwischen ist versiegelt.
Ende-zu-Ende (z. B. WhatsApp, Signal)Nur Sie und Ihr Gesprächspartner. Nicht einmal der Anbieter kann mitlesen.

Öffentliches WLAN und VPN – nüchtern betrachtet

Früher hieß es: „Im Café-WLAN niemals Bankgeschäfte erledigen.“ Dieser Rat stammt aus der Postkarten-Zeit. Heute gilt: Dank HTTPS sind Ihre Inhalte auch im öffentlichen WLAN geschützt – Ihr Passwort und Ihre Überweisung bleiben versiegelt, selbst wenn der WLAN-Betreiber neugierig wäre. Was er allerdings sehen kann: welche Webseiten Sie besuchen, also die Adressen der Umschläge, nicht deren Inhalt.

Genau hier setzt ein VPN an, ein „virtuelles privates Netzwerk“. Es baut einen zusätzlichen verschlüsselten Tunnel von Ihrem Gerät zu einem VPN-Anbieter auf. Der Betreiber des Café-WLAN sieht dann nicht einmal mehr, welche Webseiten Sie ansteuern. Das ist nützlich in fremden, wenig vertrauenswürdigen Netzen oder auf Reisen. Aber Vorsicht vor der Werbung: Ein VPN macht Sie nicht anonym, es schützt nicht vor Betrugs-Seiten, Viren oder Phishing – und statt des WLAN-Betreibers kann nun der VPN-Anbieter sehen, wohin Sie surfen. Vollmundige Versprechen wie „absolute Sicherheit“ oder „völlige Anonymität“ sind vor allem eines: Verkaufsargumente.

Damit haben Sie das Wichtigste über Verschlüsselung beisammen: Sie erkennen am Schloss und an https://, ob eine Verbindung versiegelt ist, Sie wissen, dass das Schloss keine Seriosität beweist, und Sie können Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und VPN realistisch einordnen. In der nächsten Lektion wenden wir uns dem Ort zu, an dem all Ihre Geräte zusammenlaufen: Das Heimnetzwerk einrichten und absichern – vom Router bis zum WLAN-Passwort.

Testen Sie Ihr Wissen

4 kurze Fragen zu dieser Lektion. Die Auswertung geschieht direkt in Ihrem Browser – nichts wird übertragen, und niemand sieht Ihr Ergebnis.

1 Was bedeutet das Schloss-Symbol neben der Adresszeile im Browser?
2 Eine Seite hat ein Schloss-Symbol und beginnt mit https:// – ist sie damit garantiert vertrauenswürdig?
3 Was ist das Besondere an Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, etwa bei WhatsApp oder Signal?
4 Was leistet ein VPN im öffentlichen WLAN wirklich?

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